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nuri irak

Nuri Irak (*1966), in der Türkei geboren und seit 1984 in Hagen lebend, präsentiert eine Reihe kraftvoll-farbintensiver Bilder. Die expressiven Kompositionen sprengen mit ihrer außerordentlichen Dynamik beinahe den Bildraum. Die Farbe scheint innerhalb der Bildgrenzen gebändigt zu sein. Iraks Malerei lebt durch ihren energisch-vitalen Duktus. Gerade oder kurvig ausgeführte Pinselschwünge offenbaren eine schnelle, spontane Malweise. Immer wieder folgen Farbbahnen der Bilddiagonale, so dass der Blick von außen ins Zentrum geführt wird. Dann wiederum verweilt das Auge auf Ruhezonen: ein Kreis oder ein Rechteck bietet optischen Halt. Doch die Ruhepole werden erneut gestört, überlagert von Farbbahnen oder Spritzern. Nicht selten entfalten sich die Farbexplosionen vor einem sanft pastellfarbenen, wolkigen Grund. So tritt das mit vehementem Gestus aufgetragene Kolorit umso stärker in den Vordergrund. Irak mischt seine Palette meistens zu gebrochen Farbtönen, nur wenige Arbeiten widmet er den reinen Primärfarben. Die Nicht-Farbe Schwarz strukturiert einzelne Blätter und setzt als kalligraphisch anmutende Formation dominierende Akzente in die Bildkomposition.

Nuri Iraks Malweise ist abstrakt und gestisch. Seine Werke lassen sich auch unter den Begriff der informellen Malerei fassen. Dieser Terminus bezeichnet eine internationale Stilrichtung der modernen, gegenstandlosen Malerei nach 1945, zu deren Hauptvertretern der Hagener Künstler Emil Schumacher zählt. Informelle Werke zeichnen sich durch den Verzicht auf beschreibende Bildmotive und kompositorische Regeln aus. Sie sind Ergebnis eines spontanen Malakts. Die dynamischen Farb-Rhythmen sind der unmittelbare, unverfälschte Ausdruck psychischer aber auch physischer Energien. Trotz dieser Betonung des emotionalen Aspektes sind die Kompositionen stabil und ausgewogen. Der Künstler beherrscht die Bildfläche, obwohl er sich – zumindest dem Anschein nach -, dem Malprozess auszuliefern scheint. Die frei gestalteten Zeichen und Strukturen entstehen in direkter Auseinandersetzung mit der Farbmaterie.

© Dr. Birgit Schulte 3/2010